Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 2012_21 - 04.09.2012

DGB-Berechnungen: Ein Viertel der Beschäftigten im Wetteraukreis rutscht nach Jobverlust direkt in Hartz IV

Trotz Beitragszahlung haben viele Beschäftigte bei Jobverlust keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Im Wetteraukreis sind in 2011 ein Viertel der sozialversichert Beschäftigten nach Verlust ihres sozialversicherten Arbeitsplatzes direkt ins Hartz IV-System gerutscht. Besonders kritisch ist die Situation im Gastgewerbe und der Leiharbeit. Der DGB-Wetterau fordert daher einen besseren Schutz kurzfristig Beschäftigter in der Arbeitslosenversicherung.

2.080 Beschäftigte, die nach einer sozialversicherten Tätigkeit arbeitslos wurden, sind im Wetteraukreis direkt ins Hartz IV-System gerutscht. Dies sind ein Viertel aller Arbeitskräfte, die in 2011 neu arbeitslos wurden.

Normalerweise haben Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz verlieren, Anspruch auf das aus Sozialbeiträgen finanzierte Arbeitslosengeld; doch ein großer Teil der Arbeitslosen fällt durch die Maschen des Sozialversicherungssystems und verarmt. Denn wer arbeitslos wird und in den vergangenen zwei Jahren nicht mindestens 12 Monate in einem sozialversicherten Beschäftigungsverhältnis stand, rutscht direkt in die Fürsorgeleistung Hartz IV. Die soziale Sicherungsfunktion der Arbeitslosenversicherung hat sich mit den Hartz-Gesetzen und der Ausweitung befristeter und prekärer Beschäftigung deutlich verschlechtert.

In 2011 sind im Wetteraukreis insgesamt 8.454 Beschäftigte aus einer sozialversicherten Tätigkeit arbeitslos geworden, dabei wurden drei Viertel vom Versicherungssystem betreut. Besonders problematisch ist nach DGB-Berechnungen die Situation in einigen Branchen. So sind im Gastgewerbe gut 30,9 Prozent derjenigen, die im vergangenen Jahr ihre sozialversicherte Beschäftigung verloren haben, direkt zu Hartz IV-Empfängern geworden. In der Leiharbeit sind es sogar 48,8 Prozent, die nach Job-Verlust unmittelbar auf staatliche Fürsorge angewiesen sind. Da der Wetteraukreis weitgehend die Mietkosten für alle Hartz IV-Empfänger übernehmen muss, wird die die Stadt durch die Sicherungslücken des Sozialversicherungssystems und die Politik des Heuern und Feuerns insbesondere in der Leiharbeit in besonderer Weise belastet.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist das Entlassungsrisiko wie das Hartz IV-Risiko deutlich geringer. Von den Beschäftigten, die ihren Job verloren haben, waren in dieser Branche „lediglich“ 13,7 Prozent auf Hartz IV angewiesen. Für die Leiharbeitskräfte im Kreis ist das Hartz IV-Risiko nach Jobverlust fast vier Mal höher.

Der DGB fordert daher, die Regelungen der Arbeitslosenversicherung insbesondere für kurzfristig Beschäftigte zu verbessern. Aus gewerkschaftlicher Sicht sollte insbesondere die Rahmenfrist, in der der Anspruch erworben werden kann, wieder von 24 auf 36 Monate verlängert werden. Alle, die in den letzten drei Jahren mindestens 12 Monate beschäftigt waren, würden dann wieder Arbeitslosengeld I erhalten, wie dies bereits vor den Hartz-Gesetzen der Fall war. Das würde auch befristet Beschäftigte begünstigen und die Mietaufwendungen der Stadt für arbeitslose Hartz IV-Empfänger reduzieren.

Tabelle 1:

Zugang in Arbeitslosigkeit aus Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt

im Wetteraukreis 2011 nach Rechtskreisen

 

Versicherungssystem
(SGB III)

Hartz IV-System (SGB II)

 

insgesamt

Absolut

in v. H.

Absolut

in v. H.

Ø    Verarbeitendes Gewerbe

737

636

86,3

101

13,7

Ø    Gastgewerbe

424

293

69,1

131

30,9

Ø    Verleihgewerbe

1.064

545

51,2

519

48,8

Ø    alle Wirtschaftszweige

8.454

6.374

75,4

2.080

24,6

Quelle: eigene Berechnungen


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