Deutscher Gewerkschaftsbund

11.02.2015

Wir brauchen einen starken Dachverband

Die meisten Kollegen werden Gewerkschaftsmitglieder, weil sie im Betrieb durch Betriebs- oder Personalräte darauf angesprochen werden. Ganz anders bei Peter Zeichner. Er wurde in den 90er Jahren auf die Gewerkschaften aufmerksam, weil er den DGB als gesellschaftspolitischen Akteur wahrgenommen hatte und das gut fand. 

„Ich habe damals in einer Beratungsstelle für Kriegsdienstverweigerer gearbeitet und wurde stark politisiert.“ Auf Demonstrationen gegen den Golfkrieg beeindruckte den politisch interessierten Noch-Nicht-Arbeitnehmer vor allem das friedenspolitische Engagement des DGB und ließ ihn so auf Gewerkschaften aufmerksam werden. Das Verständnis von einer Gewerkschaftsbewegung, die sich nicht nur für die politischen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf der betrieblichen Ebene einsetzt, sondern die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen mitdenkt, hat sich der Wetterauer Lehrer bis heute erhalten. 

Und das ist gut so, denn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Gewerkschaftsarbeit haben sich verändert, weil Arbeit sich verändert hat. Eine schon seit Jahrzehnten andauernde Arbeitsplatzrationalisierung auf der einen Seite und die zunehmende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen auf der anderen Seite zeigen das deutlich. „Wir sehen: Rationalisierungs- und Spardruck erzwingen Arbeitsverdichtung. Diese Entwicklung macht nicht nur die kontinuierliche kollektive Interessenvertretung schwieriger, sondern drängt immer mehr Arbeitnehmer immer schneller und früher krankheitsbedingt aus dem Erwerbsleben. Wir müssen diesen Teufelskreis aus zunehmender Arbeitsbelastung und abnehmender Kraft und Bereitschaft für die aktive Interessenvertretung durchbrechen.“ Deshalb müsse sich Gewerkschaftsarbeit mehr denn je auf gesellschaftspolitische Fragestellungen konzentrieren und sich zudem internationalisieren. „Es ist gerade der Dachverband, also der DGB, der uns dabei hilft, diese Aufgabe wahrzunehmen. Deshalb müssen wir uns dieses Instrument unbedingt erhalten und weiter ausbauen.“ 

Und er fügt mahnend hinzu: „Gewerkschaften sind allerdings immer nur so stark, wie ihre Mitglieder sie durch ihre Anzahl und ihr Engagement machen. Ihre pure Existenz ist kein Selbstläufer und die persönliche Interessenvertretung nur bis zu einem bestimmten Punkt delegierbar.“

 

 


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