Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 2012_038 - 29.11.2012

Neue DGB-Statistik enthüllt: Viele Vollzeitbeschäftigte im Landkreis Fulda erhalten nur Niedriglohn

14.999 Vollzeitkräfte im Landkreis Fulda verdienen miserabel. Sie arbeiteten nach einer aktuellen Erhebung des DGB für einen Niedriglohn. Im Jahr 2010 waren dies bereits gut 26 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten. Auszubildende nicht einmal mitgezählt. Auch qualifizierte Arbeitskräfte in der Stadt erhalten oftmals nur einen mickrigen Lohn.

Erstmals legt der DGB regionale Daten zum Niedriglohnsektor vor. Konkret lag die Niedriglohnschwelle 2010 in allen westdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1.890 Euro. Im Landkreis Fulda rutschen Vollzeitbeschäftigte noch weit häufiger in den Niedriglohnsektor als in den alten Bundesländern insgesamt. Dies gilt für Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss ebenso wie für jene mit Ausbildung. So zählten im Fuldaer Landkreis 22,1 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern. In den alten Bundesländern insgesamt waren es demgegenüber 16,0 Prozent der Erwerbstätigen in Vollzeit und mit Ausbildung. Auch qualifizierte Beschäftigte bekommen den Druck auf das Lohngefüge zu spüren.

„Dieses hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passt nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel“, so der DGB Kreisvorsitzende Franz-Georg Brandt.
Dies sei vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job finden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet werden. Trotz Berufsabschluss stecken sie oftmals in Jobs für Un- oder Angelernte. Je länger diese Situation andauere, desto weniger wert sei die erworbene Qualifikation.

Noch weit miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss. Fast 38 Prozent der Geringqualifizierten im Landkreis zählen nach der DGB-Auswertung zugleich zu den Geringverdienern. Das Risiko, als Vollzeitbeschäftigte/r einen Niedriglohn zu erhalten, ist für Beschäftigte ohne Berufsabschluss fast doppelt so hoch wie für Qualifizierte.

Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sei das Risiko einer schlechten Bezahlung für Qualifizierte wie Beschäftigte ohne Berufsabschluss überdurchschnittlich hoch. Nach Einschätzung des DGB Fulda haben Menschen, die wenig verdienen, oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko.

Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener seien hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern.
„Wer behaupte, Niedriglöhne sind Einstiegslöhne, der liegt falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, sind hierzulande relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, ist eine Verfestigung der Niedriglohnfalle“, warnt der DGB-Kreisvorsitzende Brandt.

Der hohe Niedriglohnsektor im Landkreis Fulda ist nach Einschätzung des DGB auch eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein. Hinzu kommt, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen so selten sind, dass das soziale Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.

Vollzeitbeschäftigte i. v. H.  – ohne Auszubildende – mit Niedriglohn 2010 (alte Bundesländer)


Vollzeitbeschäftigte

Fulda

(1.890 €)

alte Bundesländer

(1.890 €)

mit Berufsausbildung

22,1

16,0

ohne Berufsausbildung

37,8

32,6

Fach- und Hochschulabschluss

7,8

4,2

 

 

 

Niedriglohnrisiko insgesamt

26,2

20,8

Arbeitgeber-Meldungen insg.

57.169

16,6 Mio.

Quelle: DGB-Berechnungen nach BA-Entgeltstatistik für 2010

Quelle: DGB-Berechnungen nach BA-Entgeltstatistik für 2010

Für die Erhebung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verwendete Definition über Niedriglöhne zugrunde gelegt. Danach zählt zu den Geringverdienern, wer in seinem Land auf weniger als zwei Drittel des mittleren (durchschnittlichen) Lohns kommt. Wegen des immer noch deutlichen Lohngefälles zwischen Ost und West wurde nicht die bundesweite Niedriglohnschwelle, sondern eine differenzierte für West und Ost zugrunde gelegt. Danach lag die Niedriglohnschwelle 2010 in den alten Ländern bei 1.890 Euro brutto im Monat und in den neuen Bundesländern bei 1.379 Euro. Ausgewertet wurden die Meldungen für die Sozialversicherungen, die die Arbeitgeber im Landkreis vornehmen. Im Landkreis Fulda allein wurden die Meldungen für 54.169 Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job einbezogen, für die alten Bundesländer rd. 16,6 Mio. und für die neuen Bundesländer gut  3,9 Mio. Meldungen.


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