Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 2012_30 - 27.09.2012

Viele Vollzeitbeschäftigte im Landkreis Fulda künftig von Altersarmut bedroht

Jede/r zweite Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job verdiente 2010 im Landkreis Fulda weniger als 2.474 € brutto im Monat. Einmalige Leistungen wie Überstundenzuschläge oder Weihnachtsgeld sind dabei berücksichtigt und Auszubildende nicht mitgezählt. Erstmals hat der DGB differenzierte Daten zu den Verdienstunterschieden im Landkreis Fulda vorgelegt, die auf einer Sonderauswertung der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung beruhen. Danach verdienten Vollzeitbeschäftigte im Landkreis deutlich weniger als über die alten Bundesländer hinweg (-228 € Bruttomonatslohn). Im Vergleich zum hessischen Durchschnitt sind es sogar 507 € weniger. Aber im Kreis Fulda zeigen sich auch große Unterschiede zwischen den Beschäftigtengruppen: 

  • Männer erzielten meist ein deutlich höheres Bruttomonatsentgelt als Frauen. Im Mittel verdienten sie 2.637 € brutto im Monat gegenüber nur 2.026 € bei den Frauen. Dieser große Verdienstunterschied von rund 600 € monatlich erklärt sich wesentlich durch die geschlechtsspezifischen Tätigkeitsschwerpunkte; so arbeiten Frauen häufig im Dienstleistungssektor mit einem relativ niedrigeren Entlohnungsniveau gegenüber dem Produzierenden Gewerbe, wo Männer häufiger tätig sind. Aber auch die Lohndiskriminierung von Frauen hat nach gewerkschaftlicher Einschätzung einen Einfluss auf dieses Lohngefälle.
  • Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung verdienten im Kreis Fulda durchschnittlich nur 2.159 € brutto im Monat und damit deutlich weniger als in anderen Landesteilen Hessens. Somit ist auch im Landkreis Fulda der Abstand zwischen gering- und gutverdienenden Beschäftigten beachtlich. Jene mit Hochschulabschluss kommen im Schnitt auf einen fast doppelt so hohen Bruttoverdienst wie jene Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Große Verdienstabstände zeigen sich folglich nicht nur bei Teilzeitarbeit, sondern auch bei Vollzeitbeschäftigung. Die Angst vieler Beschäftigter, dass sie mit ihrer Rente im Alter nicht auskommen, ist nicht unbegründet. Insbesondere Frauen sowie Arbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind oftmals von Altersarmut bedroht. Altersarmut sei zwar noch kein größeres Massenproblem, doch in Zukunft droht ihre Zahl deutlich anzusteigen. Durch die geplante Senkung des Rentenniveaus auf 43 % müssen Beschäftigte mit einem Einkommen von 2.500 € im Monat 35 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, um mehr als Grundsicherung im Alter zu bekommen. Bei einem Monatseinkommen von 2.200 € droht bei Renteneintritt immer noch Sozialhilfebedürftigkeit, selbst wenn man 40 Jahre gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat.

2010 verdiente mehr als die Hälfte aller vollzeitbeschäftigten Frauen im Landkreis Fulda weniger als 2.030 € brutto; gut 50 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten ohne Berufsabschluss verdienen weniger als 2.160 €. Die Folgen der Absenkung des Rentenniveaus werden in der Zukunft für viele Beschäftigte des Landkreises gravierend sein.

 

Median (mittleres) monatliches Bruttoarbeitsentgelt sozial-versicherter Vollzeitbeschäftigter (ohne Auszubildende) im Landkreis Fulda 2010 in €

Landkreis Fulda

Hessen

alte Bundesländer

neue Bundesländer

insgesamt

davon

Männer

Frauen

2.474

 

2.637

2.026

2.981

 

3.218

2.572

2.835

 

3.085

2.379

2.068

 

2.094

2.018

 

Alter 25 bis 50 Jahre

 

2.512

 

3.021

 

2.870

 

2.069

 

ohne Berufsausbildung

 

2.159

 

2.395

 

2.377

 

1.706

 

mit Berufsausbildung

 

2.535

 

2.986

 

2.902

 

2.053

 

mit Fachhoch-/Hochschulabschluss

 

3.925

 

5.082

 

4.933

 

3.803

Quelle: eigene Berechnungen nach: BA-Entgeltstatistik


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