Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 2017_005 - 08.03.2017
Internationaler Frauentag

Emanzipation ist mehr als Gleichberechtigung

Mehr als ein Jahrhundert nach Einführung des Internationalen Frauentages gibt es aus Sicht des DGB mehr als genug Gründe, sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu engagieren. Und das obwohl sich die Gesellschaft in den letzten Jahren deutlich verändert hat. „Die Fortschritte der Frauenbewegung sind nicht von der Hand zu weisen“, sagt Ulrike Eifler. Die Geschäftsführerin des DGB Südosthessen sieht diese Fortschritte im wachsenden Selbstbewusstsein von Frauen oder in ihrer ökonomischen Unabhängigkeit. Doch dieser Fortschritt sei nicht als Geschenk vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis von Kämpfen, in die sich Frauen zunehmend eingemischt haben – in den Betrieben, als Betriebsrätinnen und Personalräterinnen, in den Gewerkschaften, in Parteien und Politik, auf Demonstrationen und bei Streiks.

 

 

internationaler Frauentag 2017

Foto: DGB

Die zunehmende Erwerbstätigkeit bringe auch Probleme mit sich. „Frauen in Deutschland sind immer häufiger erwerbstätig. Aber fast jede Zweite arbeitet in Teilzeit – oft ihr gesamtes Erwerbsleben lang. Damit ist Deutschland im europäischen Vergleich Spitzenreiter“, so Eifler. Da es meist die Frau sei, die zusätzlich zur Arbeit für Kind und Haus sorgt, seien für viele Frauen nur Teilzeit- oder Minijobs möglich. Gerade aber die Teilzeit ist aus Sicht des DGB mit enormen Nachteilen beim Einkommen, bei sozialer Sicherung und bei Karrierewegen verbunden. „Die Statistiken zeigten deutlich, dass Frauen in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen und in Teilzeit ihre Arbeitszeit gern ausweiten möchten.“

Für die Geschäftsführerin des DGB ist Emanzipation darum mehr als nur die Gleichberechtigung mit dem Mann. „Während Gleichberechtigung lediglich darauf abzielt, dass Männer und Frauen die gleichen Chancen haben, hat Emanzipation etwas gesellschaftlich anderes zum Ziel“, so Eifler. „Aus meiner Sicht geht es um die Freiheit des Individuums, es geht um die ökonomische Unabhängigkeit der Frau vom Mann, es geht um ein Ende von prekären Arbeits-, aber auch Lebensbedingungen – und ja, es geht auch um eine Gesellschaft ohne Gewalt, Krieg und Flucht“. Für die Gewerkschaften sei der Frauentag daher ein Tag, an dem die Unterbezahlung in klassischen „Frauenbranchen“, die prekäre Beschäftigung vor allem von Frauen, fehlende Arbeitszeitsouveränität und die sich unter dem Einfluss der Digitalisierung verändernden Arbeitsverhältnisse thematisiert werden müssen. „Aber über die betriebliche Ebene hinaus, müssen wir uns fragen, in welcher Gesellschaft wir leben möchten. Aus Sicht der Gewerkschaften jedenfalls gehören Krieg, Verfolgung und Flucht nicht dazu.“

 


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