Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 2018_030 - 10.07.2018

DGB: Ausbeutung von rumänischen Bauarbeitern in Neu-Isenburg muss Konsequenzen haben

Anlässlich der Aktion von 18 rumänischen Bauarbeitern auf einer Baustelle heute in Neu-Isenburg, die zusammen mit der Gewerkschaft IG BAU und der Beratungsstelle Faire Mobilität für die Zahlung ihres Lohns streiten, fordert der Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, Michael Rudolph politische Konsequenzen. „Es ist ein Skandal, dass die Arbeiter seit Wochen auf ihren Lohn warten. Sie befürchten, dass sie von ihrem Arbeitgeber überhaupt nichts mehr bekommen. Mit solchen Geschäftsmodellen, die auf Betrug und Ausbeutung basieren, wird ein Schmutzwettbewerb betrieben, der ehrlich kalkulierende Betriebe aus dem Markt drängt. Der Gesetzgeber ist gefordert, solchen Praktiken einen Riegel vorzuschieben.“

 

Bauarbeiter

Foto: DGB/Jasmin Romfeld

Der zuständige Gewerkschaftssekretär der IG BAU, Johannes Schader, fügt hinzu: "Das Subunternehmen, das die Beschäftigten angeheuert und beschäftigt hat, müsse vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem sei die d&b Bau GmbH als Generalunternehmer aufgefordert, die ausstehende Lohnsumme in Höhe von mehreren 10.000 Euro zu übernehmen. So sei es unmissverständlich im Arbeitnehmerentsendegesetz geregelt."

Rudolph fordert die Landespolitik auf, endlich zu handeln und das Hessische Vergabe- und Tariftreuegesetz zu reformieren. Erforderlich sei insbesondere eine eigene landeseigene Kontrollbehörde: „Nur ein Gesetz, dessen Einhaltung kontrolliert wird, kann seinen Zweck erfüllen. Wir haben die schwarz-grüne Landesregierung immer wieder aufgefordert, eine landeseigene Kontrollbehörde für die öffentliche Auftragsvergabe einzurichten, um staatliche Aufträge – und das zielt insbesondere auf den Baubereich – zu kontrollieren. Geschehen ist aber nichts. Es ist höchste Zeit zu handeln.“

 

Hintergrund:

18 rumänische Bauarbeiter haben gegenüber der Beratungsstelle Faire Mobilität und der IG BAU Bezirk Rhein-Main angegeben, für Mai und Juni kaum bzw. nicht bezahlt worden zu sein. Die Männer haben seit Anfang April in der Offenbacher Straße in Neu-Isenburg Reihenhäuser gebaut und lediglich für Mai geringe Vorschüsse erhalten. Die IG BAU bezifferte den Lohnanspruch für Mai auf über 62.000 Euro. 14.000 Euro seien in Form von Abschlägen ausbezahlt worden. Für Juni wurde ein Betrag in Höhe von über 30.000 Euro geltend gemacht. Die Männer arbeiten für das Subunternehmen CMF Constructions GmbH. Erste Versuche, den Sachverhalt über Gesprächsangebote zu lösen, schlugen fehl.

Auftraggeber des Neubaus ist die GEWOBAU Neu-Isenburg in Kooperation mit der GWH Bauprojekte. Das zuständige Generalunternehmen ist die d&b Bau GmbH.

Die GEWOBAU gehört der Stadt Neu-Isenburg und die GWH zum Helaba-Konzern. Damit ist die öffentliche Hand faktisch der rechtlich und wirtschaftlich verantwortliche Auftraggeber bei der Durchführung des Bauvorhabens, dem Bau von Reihenhäusern und Eigentumswohnungen in Neu-Isenburg.

 


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